Von der Leidenschaft zur Marke: Anna von Afrolocke über Afrohaar & Gründerinnenmut
- Nadine

- vor 3 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Zum Weltfrauentag erzählt Anna, Gründerin von Afrolocke, wie ihre Leidenschaft für Afro- und Lockenhaar zu ihrer Marke geführt hat. Sie berichtet, welche Hürden weibliche Gründerinnen überwinden müssen, warum Black-owned Hair Care heute so wichtig ist und wie Haare für sie Identität, Kreativität und Stolz ausdrücken. Ein inspirierender Einblick in Annas Reise, ihre Vision und die Community, für die sie Produkte entwickelt.

Worin siehst du die größte Herausforderung für weibliche Gründerinnen?
Anna: Neben den strukturellen Hürden ist es für mich als Gründerin einer Afrohaar-Marke besonders, dass der Markt lange unterschätzt wurde. Viele Menschen brauchen diese Produkte, doch oft muss man die Relevanz der Community erst erklären. Weibliche Gründerinnen kämpfen zusätzlich oft noch mit weniger Zugang zu Kapital, Netzwerken und Sichtbarkeit.
Warum ist es wichtig, dass Unternehmen von unterschiedlichen Menschen geführt werden - also auch von vermeintlich marginalisierten Personen?
Anna: Unternehmen prägen Produkte und Märkte. Wenn Führungsetagen homogen sind, entstehen blinde Flecken. Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen bringen andere Erfahrungen, Bedürfnisse und Perspektiven ein – gerade in der Beauty-Industrie. Mehr Vielfalt bedeutet authentischere Produkte, bessere Lösungen und gerechtere wirtschaftliche Strukturen.
Wie hat sich deine Beziehung zu deinen Haaren im Laufe deiner Kindheit entwickelt?
Anna: Als Kind war meine Beziehung zu meinen Haaren ambivalent. Glattes Haar galt lange als Schönheitsideal, und ich habe eine Zeit lang versucht, meine Locken zu glätten. Inspiration fand ich damals vor allem in Musikvideos: Künstlerinnen hatten Haare, die meinen ähnlich waren, und das half mir, mich wiederzufinden. Später erkannte ich, dass meine Haare kein Problem sind, sondern Teil meiner Identität. Auch Madam C. J. Walker wurde später eine Inspiration – ihr unternehmerischer Weg zeigt, wie viel Einfluss eine einzelne Gründerin auf eine ganze Branche haben kann.
Was bedeutet Black Hair für dich – über Schönheit hinaus?
Anna: Black Hair ist Identität, Kultur und Geschichte. Über lange Zeit wurden natürliche Haarstrukturen abgewertet. Heute kann das Tragen von Locken oder Protective Styles ein Ausdruck von Selbstbestimmung, Kreativität und Stolz sein.
Warum ist Black-owned Hair Care heute so wichtig?
Anna: Black-owned Hair Care bedeutet, dass Menschen aus der Community selbst Produkte entwickeln, die wirklich auf die Bedürfnisse von texturiertem Haar abgestimmt sind. Leider werden viele Produkte für Black Hair immer noch von Unternehmen geführt, die nicht aus der Community stammen – das kann dazu führen, dass Erfahrungen und Bedürfnisse übersehen werden. Wenn Black-owned Marken die Produkte gestalten, geht es nicht nur um die Haarpflege selbst, sondern auch um Repräsentation, fundiertes Wissen über Inhaltsstoffe und wirtschaftliche Selbstbestimmung.
Welche historischen Haartraditionen inspirieren deine Marke?
Anna: Viele Inspirationen kommen aus westafrikanischen Flechttraditionen. Braids waren nicht nur Frisuren, sondern kulturelle Ausdrucksformen und zeigten Zugehörigkeit oder Status. Protective Styles schützen das Haar und haben eine lange Tradition. Besonders schön ist das gemeinschaftliche Ritual des Flechtens zwischen Müttern, Töchtern oder Freundinnen – diese Verbindung von Haarpflege und Gemeinschaft inspiriert mich sehr.
Welchen Mythos über Black Hair möchtest du entkräften?
Anna: Ein verbreiteter Mythos ist: „4C-Haar wächst nicht.“ Das stimmt nicht. 4C-Haar wächst genauso wie andere Haarstrukturen, nur ist das Wachstum weniger sichtbar und das Haar anfälliger für Bruch. Mit Feuchtigkeit, Schutz und sanfter Pflege kann es sehr gesund wachsen.

Wie entwickelt ihr Produkte speziell für texturiertes Haar?
Anna: Texturiertes Haar braucht andere Pflege als glattes Haar: Feuchtigkeit, Schutz vor Haarbruch und eine gesunde Kopfhaut. Wir achten bei der Produktentwicklung sehr genau auf Inhaltsstoffe, die Feuchtigkeit versiegeln und das Haar stärken. Die richtige Balance aus Ölen, Buttern und feuchtigkeitsspendenden Komponenten ist entscheidend.
Gleichzeitig ist es uns wichtig, Wissen über die richtige Pflege zu teilen. Deshalb veröffentlichen wir regelmäßig Tipps und Anleitungen auf unserem Blog und auf Instagram, damit die Community ihre Haare gesund und stark halten kann.
Was bedeutet „gesundes Haar“ in deiner Community?
Anna: Gesundes Haar hat für mich nichts mit der Haarlänge hinaus. Es bedeutet ausreichend Feuchtigkeit, starke Haarfasern, und vor allem eine gesunde Kopfhaut.
Wie kann die Unterstützung von Black Hair Brands langfristige Wirkung haben?
Anna: Wer bewusst Black-owned Brands unterstützt, schafft mehr als einen Kauf. Es entstehen auf lange Sicht Arbeitsplätze, neue Unternehmer:innen und wirtschaftliche Möglichkeiten innerhalb der Community. Gleichzeitig entstehen Vorbilder für die nächste Generation. Langfristig verschiebt das auch Machtverhältnisse in der Beauty-Industrie und fördert mehr Vielfalt.

Kommentare