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My Curl Story - Winnie

Wir haben auf Instagram im Dezember 2020 einen Aufruf gestartet und euch nach eurer persönlichen Lockengeschichte gefragt. Wir möchten euch hier auf unserem Blog davon erzählen. Hier die Geschichte von Winnie. 

 

,,Ich bin bei meiner weißen Mutter in Deutschland aufgewachsen. Seit ich denken kann hat sie meine Haare immer ganz kurz geschnitten, weil sie nicht wusste wie sie mit ihnen umgehen soll.  

Ich habe mir als Kind so oft langes glattes Haar gewünscht, habe mir manchmal vor dem Spiegel ein Handtuch oder ähnliches um den Kopf gewickelt um zu sehen wie langes Haar bei mir aussehen würde.

 

Bis ich 16 war, waren meine Haare immer kurz, und wurden alle paar Monate von weißen Friseur*innen auf 9mm geschnitten. Alles änderte sich als ich mit 16 Jahren einen Schüler*innenaustausch für zehn Monate in den USA machte. Dort in die Drogerie zu gehen war für mich eine völlig neue Welt. Ich habe insgesamt bestimmt Stunden vor den Drogerieregalen verbracht um mir alle unterschiedlichsten Haarprodukte für Natural Hair genaustens anzusehen. Plötzlich waren auch viel mehr Schwarze Menschen um mich herum und ich hatte mehr als genug Inspiration dafür was ich mit meinen Haaren alles so anstellen kann. In diesen transformativen zehn Monaten ließ ich also mein Haar wachsen. Erst zu einem Teenie-Weenie Afro, aber schnell hatte ich einen wunderschönen großen Afro.

 

Mit einem Koffer voller Haarprodukte kehrte ich also nach Deutschland zurück.

Während ich in den USA sehr viele Komplimente für mein langes und krauses bekam, wurde sich in Deutschland viel darüber lustig gemacht und auch oft angefasst ohne dass ich das wollte. Die Liebe zu meinem Haar konnte aber so schnell nicht mehr zunichte gemacht werden.

 

Ich schaute Unmengen an YouTube Videos für natürliches Afro Haar und lernte, dass es auch in meinem lokalen Afroshop super viele Produkte gibt oder dass man Produkte auch selbst herstellen kann. Seit dem habe ich auch viele unterschiedliche Haarstyles ausprobiert: ich mache regelmäßig Twist Outs, verschiedene Protective Styles im Winter und ab und an auch mal Braids.

 

Ich sage nicht, dass die Reise zur Akzeptanz meiner natürlichen Haare seitdem immer einfach und glatt verlaufen ist. Auch heute struggle ich noch manchmal. Alles in allem, geht es mir viel besser seitdem ich meine Haare annehme und liebe so wie sie sind. Sie sind mittlerweile ein sehr großer Teil meiner Identität als Schwarzer Frau in Deutschland. Ich wünsche mir und hoffe deswegen, dass mehr Schwarze Menschen sich trauen ihre Haare natürlich zu tragen und sich damit genau so wohl fühlen wie ich es heute tue."

Winnie